Wetterbericht des Pastor Friedrich von Camin b. Wittenburg


Aus dem Kirchbuch zu Camin abgeschrieben.


Johann Paul Friedrich war von 1765 – 1813 Pastor in der Gemeinde Camin bei Wittenburg. Er gab auch einen immerwährenden Witterungskalender, „ wißbegierigen Freunden der Natur vorzüglich gewidmet“ heraus, ferner einen Gartenkalender, eine Anweisung zur praktischen Bienenzucht, eine Anweisung Kanarienvögel zu ziehen, und noch manch anderes.


In diesem 1780 ten Jahr war in Absicht der Witterung ein ganz sonderbares Jahr. Von Januar bis März stets kalt und gefroren und sobald es im Frühjahr auftaute, kam ein ganz guter Tag. Es regnete fast beständig, bis in die Mitte des Juli.Dann kam eine erstaunliche Hitze und Dürre, dergleichen sich kein Mensch erinnern konnte. Es war stets Ost- Nordost und Südost Wind. Alles verdorrte in Gärten, Wiesen und Feldern. Sogar junge Bäume, die recht gegen die Sommerhitze………, vertrockneten; Das Laub auf den Bäumen war zum Theil im August schon dürr, daß mans Pulver zerreiben konnte. Die Bauern hatten im August schon nichts mehr zu holen und fast auch nichts mehr zu leben. Das Vieh litt an vielen Orten Noth an Nahrung und Wasser. In all der Zeit ist nicht ein einziges Gewitter gewesen und kein Regen gefallen, außer ein klein wenig zu 2 mal, davon aber der Staub nicht benetzt wurde, Thau viel noch schön. In anderen Ländern wie in Ungaren und Mölln ist stets Regen gewesen und große Überschwemmung und gerade in der größten Hitze war das Viehsterben in der Pritzierschen, Vellahner und Lübtheener Gemeinde.Wir wurden damit, Gottlob ! verschonet. Zu Goldenbow kam es auch im Oktober. Bei Quassel ist die Sude ganz ausgetrocknet, und der Müller auf der sogenannten neuen Mühle bei Lübtheen hat fast gar nicht mehr mahlen können und gleichwohl blühten die Rosen bei der erstaunlich und bei Menschengedenken noch nie so groß gewesenen Dürre , den ganzen Sommer hindurch, beinahe wie im Junius Monat, da ihre Zeit ist, in bis in den späten Herbst hinein hing es voller rosen.Obst war auch noch so ziemlich, und groß; wie wohl hier und da, auch im Pfarrgarten ein Pflaumenbaum mit Frucht und Blättern ganz verdorrete den 21. September kam erst wieder etwas Regen mit Westwind. Solange hatte immer ein trockner und versengender Ostwind geweht. Daher auch bis dahin an kein Säen gedacht werden konnte.Ja, man konnte gar nicht pflügen und der Bach hinter dem Garten war den 19. September so klein, daß ich mitten im Strohmenbette spazieren ging und eine Pfeife Toback rauchen. Den 22. schon wird es trocken heißes Wetter und so fort bis den 2. September da mit einem Gewitter so seitwärts nach Osten ging, etwas Regen kam und den 27. just ein unvergleichlicher Regen erfolgte, welcher einige Tage anhielt, jedoch schauerweise, zu Hamburg hatte vorbenanntes Gewitter in die heilige Christkirche eingeschlagen. Nachher beständig rauh, stürmisch und Regen doch bei schauern und Gewitter, doch ging sie seitwärts.

1780 im Herbst, Mense November und Dezember traf das Viehsterben auch leider! Goldenbow und Camin und zwar auf eine gar entsetzliche Weise. Doch retteten die Höfe noch viel durch die Inoculation der Seuche. Zu Kogel ließ der Hof auch inoculieren und so kam fast alles durch, aber im Dorf so wie auch zu Dodow blieb alles verschont.

1781 ten August Monath war die Hitze erstaunlich; daher auch Tag für Tag gar viele und fürchterliche Gewitter kamen, dergleichen kein Mensch denken konnte, daher sie auch jedesmal allenthalben viel Schaden getan. Zu einem Abend brannte es an 4 Orten zugleich. Der Blitz hatte zu der Zeit eingeäschert zu Bobzin 3 Gebäude, und 9 Pferde wareb mitverbrannt. Zu Parum etliche Gebäude, zu Gamilin das Pfarrhaus und die Scheune, zu Boize das Viehhaus, zu Grevesmühlen, Strahlendorf und zu Anclam in Pommern hatte es in einer Stunde 7mal eingeschlagen und die ganze Stadt war aufgegangen; zu Schönberg in Strelitz.Es fiel auch den 6 ten August viel Hagel, doch tat es Gottlob nicht viel Schaden weil das Korn meist eingefahren war, aber entsetzliche Regengüße. In Frankreich war Hagel gefallen und waren 14 Kirchspiele mit einmal ruiniert worden. Vermutlich kamen diese so viele Gewitter mit ihrer anhaltenden Hitze daher, weil unsere Atmosphäre nie recht abgekühlet worden, in dem die Nordwinde im Februar ganz ausgeblieben. Auf den Februar kam strenge Hitze im März, April und Mai. Den 28 ten August anni hatten wir hier ein strenges Gewitter, abends gegen 6 Uhr welches erschrecklichen Hagel zum Teil wie 2 Fäuste groß, mit sich führte, und das in großer Menge. Daher auch alle Fenster, norden- und westwärts im Pfarrhaus und auf dem hiesigen adeligen Hofe eingeschlagen wurden.Zum Glück war das Feld schon geräumt. Dergleichen hat sich auch laut des vorigen Kirchbuches zugetragen anno 1680 den 19 ten Juli und anno 1701 den 18 ten August. Sehr vielen Schafen hatte der Hagel das Kreuz die Beine entzwei und die Augen aus dem Kopf geschlagen. Auch hatte man verschiedene Krähen tot auf dem Felde gefunden.Mit September Monath kam fast noch stärkere Hitze, sodaß es den 1 ten und 2 ten kein Mensch aushalten konnte. Am 3 ten kam ein starker Nebel, dann Hitze und Gewitter, und den 4 ten Regen wo es sich denn etwas abkühlte. Den 5 ten starker Nebel und gegen Abend ein gar fürchterliches Gewitter, so aber Gottlob an der Seite wegging. Dergleichen Blitze hatte noch niemand gesehen. Im Herbst war die Näße so groß und so anhaltend, daß fast niemand seine Wintersaat ordentlich bestellen konnte.

1782 den 1 ten Januar fror es zum ersten mal aber auch ganz plötzlich und so heftig, daß man kaum eine größere Kälte gedenken konnte, aber kaum 24 Stunden dann wiede ganz gelindes Wetter. Den 21 ten Januar war ein ordentlicher Sommertag. Dann Regen bis zu Ende des Januar. Dann starker Frost und mit dem Februar kam viel Schnee und Schneegestöber und eine gar entsetzliche Kälte- bis zu Ausgang Martini. Dann sogleich plötzlich gelindes fruchtbares Wetter. Den 31 ten März und den 1 ten April starkes Donnerwetter und den 10 ten und 13 ten April etwas Eis gefroren. Doch schon ziemlich Gras. Darauf kam entsetzliche große Kälte und Frost bis gegen den Mai. Daher das Gras wieder verschwand und die Futternot an vielen Orten überhand nahm. Den 6 ten Mai mit o.w. etwas Regen welcher wieder Gras brachte. Doch nach eben den 6 ten Mai kam entsetzlich viel Schnee von o (Ost) und no (Nordost) und lag bis den folgenden Tag. Die Futternot war an vielen Orten sehr groß. Mit den nächstfolgenden Tagen - den 12 ten Mai kam viel Gras. Nun, das hatten die rauhen Ostwinde allenthalben zuerst in Rußland, Dänemark dann an der Elbe, in Lüneburg. Zuletzt auch in hiesigem Lande und auch im Camminschen Kirchspiel. Böse Erkältungsfieber, Husten, Schnupfen, große Hitze, böse Hälse verursacht. Ja diese Seuche nahm so zu, daß in Pfingsten kein Ort, kein Haus, keine Seele war die nicht befallen wurde. Es dauerte einige Tage, dann war es wieder gut. Aus Sachsen schrieben sie zu der Zeit, daß anno 1580 die nämliche Krankheit in ganz Europa grassiert habe. Man habe sich mit Laseir bald geholfen, Aderlaß aber sei schädlich gewesen, jedoch sei niemand daran gestorben und weil die Seuche in Spanien zuerst entsprungen, so habe man sie den spanischen Rips genannt. Diesmal 1782 kam sie aus Norden.

Die Witterung war auch ganz sonderbar. Tag vor Tag Regen und Hagel, Schauer und dabei so kalt, daß man bis gegen Johannis einheizen mußte. Den 15 ten Juni wurde es zum erstmale warm und sogleich fing auch ein heißes Wetter an. Die Kornernte war höchst betrüblich ganze 5 Wochen fast tagtäglich Regen. Zu Anfang September setzte sich erst das Wetter wieder und dann anhaltend gut, große Dürre – auf 14 Tage. Dann wieder viel Regen bis Ende September, ja bis den 9 ten Oktober. In hoc mense waren zu Constantinopel 250 000 Häuser abgebrannt. 400 000 waren es überall gewesen. Der ganze Oktober war regnerisch. Daher die Saat schlecht bestellt werden konnte. Dann mit Martini starker Frost, Schnee und Kälte bis gegen Weihnacht. In Weihnachten grün; dann 14 Tage nach Neujahr auf 2 Tage entsetzlicher Frost, aber gleich wieder tau und Regenwetter und zu Anfang des Februar und auch sofort außerordentliches warmes Sommerwetter. Regen bis den 1 ten März, dann starker Frost und viel Schnee.

1783 von Johannis an bis spät in Herbst hinein gar entsetzliche Hitze mit bestndigem Rauch in der Luft, so als die Sonne ganz verfinstert aussah. Einige nannten es Heiderauch, andere schrieben es den vielen Erdbeben zu, die hin und wieder gewesen waren. Schon im November kam starker Frost und mit dem Dezember der völlige Winter. Zu Weihnachten heftigen Schnee und grimmige Kälte so wie anno 1740 und diese Kälte nebst hohem Schnee, so daß fast kein Durchkommen war, hielt an bis den 23 ten Februar 1784, wo es zum erstenaml aber nur auf einige wenige Tage auftaute. Sodann wieder viel Schnee und heftiger Frost bis in den April hinein, Den 10 ten April zuerst etwas warme Luft und den ersten Ostertag als den 11 ten April zuerst wieder Westwind; worauf es auch gelinde blieb. Die Futternot war allgemein groß, nicht so wohl nach Heu als vielmehr wegen stroh, weil wegen der strengen Hitze im vorigen Sommer wenig gewachsen. Daher galt ein Schock kleiner Klappen 5 – 8 – 10 r (Reichsthaler) und 1 Fuder Heu im Frühjahr 10 – 15 und war nichts zu bekommen. Zu streuen hatte man nichts im Frühjahr. An vielen Orten mußten Dächer zum Schneiden abgedeckt werden. An anderen Orten, so keine Heide im Felde war hatte man zweige abgehauen, um nur dem Vieh etwas zu verschaffen, daß sie Knospen abbeißen konnten. In manchem Betracht war das 1783 und 1784 te Jahr ein recht Not-Jahr. In Italien und Sizilien , auch Island waren starke Erdbeben, viele Städte und Dörfer bei 100 waren ganz untergegangen; das Korn war in hohem Pries der Roggen beinahe 5 r (Reichsthaler) die Gerste 4 der Hafer fast 3. Die Futternot groß und mußte viel Vieh totgeschlagen werden, doch Gottlob ! hier herum nicht. Gegen das Frühjahr im März als das Eis aufging geschah gar erstaunlicher Schaden an den großen Flüssen, an Elbe, Main, Rhein und Donau und Weser; an 300 Sädte und Dörfer stunden an letztern Orte mit einmal unter Wasser und waren zum Teil ganz weggespült worden; viele Menschen und viel 100 Stück Vieh kamen dabei ums Leben. Auf der Elbe war bei Dresden eine Wiege mit einem lebendigen Kinde, so ein Mädchen war, angeschwommen gekommen. Nach viel Erkundigungen war es 19 Meilen wiet geschwommen und die Eltern waren Müller-Leute. Ihr Haus und die Mühle war mit fortgerissen, sie hatten sich gerettet durch die Flucht und die Vorsicht Gottes hatte so wunderlich diesen Säugling erhalten. Die Churfürstin in Dresden hatte sichs von den Eltern erbeten, das Kind erziehen zu dürfen. Hier in Cammin war das Wasser auch erstaunlich groß, hatte aber doch, Gottlob keine Schaden getan. Zur See waren durch Sturm und Eis viele Schiffe mit Menschen untergegangen, an den Zäunen, Gräben und Knicks nach Norden lag lange nach Ostern noch Schnee und eis. In der stillen woche vor Ostern war noch jemand zu Pferde nach Zarrentin über den See gegangen, weil er noch 1 ½ Fuß dickes eis gehabt, so gewiß auch in etlichen Wochen nicht auftaute.

1784 den 24 ten März ging über Mecklenburg ein fürchterliches Gewitter mit dem schrecklichsten Orkan und Regenguß, vorzüglich über die Gengenden Bützow und nach Güstrow zu. Menschen und Vieh kam dabei ums Leben und der Schaden war dabei äußert beträchtlich. Hier zu Cammin es Gottlob ! keinen sonderlichen Schaden getan. Gegen Pfingsten war hier in Mecklenburg eine erstaunliche Teuerung und würde Hungersnot entsprungen dazu, wenn nicht aus Rußland viel Schiffe mit Korn angekommen wären. Die Ernst viel Gottlob ! überaus Gesegnet, sonderlich an Roggen aus.

1785 ein erstaunlich strenger und anhaltender Winter. Vom 1 ten Advent an bis 11 ten April immer eins weg Schnee und Frost, nicht einmal aufgetaut und der Schnee hatte am Rhein 18 Fuss hoch gelegen. Die Kälte war an anderen Orten als Bayern, Böhmen und am Rhein strenger als anno 1709 und 1740 gewesen. Mit dem 11 ten April taute es zum ersten male wieder auf und blieb gut. Die Hitze war vom 17 ten April ausserordentlich, es brachte aber kein sonderlich gross Wasser, weil der Schnee nicht mit Regen wegging. Bei Regensburg war die Donau bis auf den Grund ausgefroren; in Schweden und Norwegen hingegen war ein ganz gelinder Winter gewesen. Aber nachher kamen wieder anhaltende Nachtfröste bis gegen den 24 ten Mai, welche Laub und Gras zurückhielten. Erst gegen den 1 ten Trinitatis-Sonntag, so diesmal den 29 ten Mai fiel, blühte der Schlehdorn, anderer Orten zum Teil in Schlesien an der Oder und in Böhmen wie Sachsen an der Elbe hatte das Wasser erstaunlichen Schaden getan. Den 9 ten, 10 ten und 11 ten Juli war ein so heftiger und anhaltender kalter Windsturm mit Regen, dass nicht nur die stärksten Bäume umgeworden wurden sondern auch die Gartenfrüchte wegen der Kälte sehr litten. Bohnen, Kartoffeln Erbsen waren zum Teil ganz schwarz wie erfroren. Der ganze Sommer war traurig; kalt und fast beständiger Regen, zuweilen grosse Wassergüsse, daher auch allenthalben gross Wasser. An vielen Orten konnte gar nicht gemäht werden, noch weder Gras noch Korn, alles stund unter Wasser. Bei Sukow und Neuhaus an der Suden bei Breeden an der Elbe und so in vielen anderen Gegenden. Die Ernte war nicht nur spät zum teil bis gegen Michaelis und nach Michaelis sondern auch höchst traurig. Es waren nur wenige gute Tage mitunter. Wer diese wahrnahm kam doch gut weg. Ich (p.t. Pastor Friederich) hiess erst anmähen gegen Bartholomäus und da kam etwas gut Wetter daher gegen den 10 ten September. Gottlob ! alles herinnen kam. Andere hatten mit Jacobi anmähen lassen; aber der Roggen musste 5 Wochen im Regen liegen und war alles ausgewachsen. Wegen Heu und Kornmangel war die Not allenthalben gross. Der Bach hier ging immer über. Gegen Michaelis war noch nichts herein, ich selbst konnte auch keine Hand voll winden und wenn ja mancher was herausgefahren hatte aufs Trockene, so war doch kein Wetter zum Trocknen und überdem kam auf den 26 ten September ein grosser Sturm, der die Haufen auf dem Felde all verstreute, dass auch das noch leider verloren ging. Die Wege und der Acker waren so tief als über alle Massen. An Säen konnte auch vor Michaelis gedenken, der Acker war ganz morastig.

1786 war gegen den 1 ten Januar bis den 6 ten ejusdem (im gleichen Monat) eine gar entsetzliche Kälte bei wenig Schnee. Sie soll alle vorigen kalten Winter weit übertroffen haben. Das Wetterglas soll bis auf 18 Grad unter dem Gefrierpunkt gestanden haben und das soll die strengste Kälte in Petersburg sein. Den 9 ten bis 11 ten Januar wurde mit eins völlig Tauwetter mit Regen und solch angenehmen Wetter wie im Sommer. Dann fiel Regen im Januar und sehr dicker Luft.

1788 war ein ausserordentlich trockenes Sommerhalbjahr; daher es auf den Sandfeldern und Gärten sehr betrübt aussah. Es regnete fast gar nicht als nur mit Gewitter und auch das waren wenige und noch weniger Regen. Alles wurde zeitig reif. Die Roggenernte ging den 19 ten Juli an, auch in Gärten reifte alles zu früh. Etwas Obst wurde dann noch. Der Herbst war auch sehr trocken und so winterte es zu, dass es medio November völlig Winter und mit Anfang Dezember so kalt war, dass allenthalben grosse Not war. Es fiel entsetzlich viel Schnee und die Kälte war stärker als 1740 und 1783. Mangel an Wasser war allenthalben. Selbst in Cammin waren alle Brunnen leer. Mein, des Pastors Vieh, musste auch weil der Bach im Garten zugefroren, im Dorf oder Soot bei der Schmiede getränkt werden; und dieses hielt an bei erstaunlichem Frost und viel Schnee in einsweg.

1789 bis 14 ten Januar da mit Südwinden etwas Regen kam. Das Tauwetter hielt an. Die Kälte war allgemein gewesen und nach öffentlichen Berichten hatte das Thermometer im Medio Dezember gestanden in Sachsen 19 Grad unter Gefrierpunkt, in Frankreich 30 und das Wasser im Canal war 12 Zoll dick gefroren. Zu Kopenhagen hatte das Thermometer gestanden 21 Grad, in Oczakow, welches die Russen den 16 ten auf den 17 ten in der Nacht erobert, 8000 Türken massacriert und 12000 gefangen genommen hatten 27 Grad, zu Moskau 33 Grad unter dem Gefrierpunkt. Noch nie, weder 1709 noch 1740 war die Kälte so stark und so anhaltend gewesen.Daher auch allenthalben viele Menschen und Vieh erfroren. Den 27. Januar fiel viel Regen. Der ganze Februar war gelinde, aber doch keine warmen Tage.Mit Anfang März aber kam trockener Frost und starke Kälte den 5 ten und 6 teneinschließlich erstaunlich viel Schnee. Die Kälte war den 21 ten März bei SW (Südwest) sehr heftig bis in den April. Dieser war ziemlich gut und der Roggen lag vortrefflich auf dem Felde auch fing das Gras, da es den 12 ten April regnete, schon an mit wachsen. Den 21 ten April wieder kalter Wind. Doch ein gut Frühjahr und viel Gras und Obst und Mast. Aber zu Ende Junio und Anfang Juli viel hohes Wasser sodass es über alles Gras und Wiesen herüberging und viel verschlemmte. Was gemäht war ging mit fort. Die Witterung war erstaunlich schnell abwechselnd, bald entsetzlich heiss, bald wieder so kalt, dass man wohl hätte heizen mögen, wie drum auch viele Tage nach Johannis wirklich getan. Zu Lungau soll es, wie von Frankfurt nach dem Hamburger Korrespondenten berichtet wurde den 29 ten Juni den ganzen Tag geschneit und soll viel kleines Vieh erfroren sein. Hier regnete es nach gar strenger Hitze wieder den 28 ten Juli bei Nordwind und viel Wind mit solcher kalten Luft dass viele grosse Schweine auf der Weide verklamt (erstarrt) waren und in der Stube wieder erwärmt werden mussten. Zur Zeit der Heuernte Regen und erstmalig hohes Wasser, so länger anhielt. Die Kornernte war herrlich, der Herbst vortrefflich bis in den Advent gut schön Wetter. Dann und wann ein wenig Regen und 8 Tage vor Advent starke Kälte bei trockenem Frost. Aber bald wieder gelinde Witterung und so den ganzen Winter hindurch wie Sommer. Der letzte Tag im Jahr ein wahrer Sommertag.

1790 den 15 ten Januar haben in Engeland die Rosen blühen wollen, in Schweden auch wie Sommer. Der Sack Roggen galt 16 Mark und darüber wegen des Türkenkrieges und weil alle anderen Länder zugeschlossen waren. Auch fand sich wegen der schlechten Witterung im Sommer und Winter und verdorbenem Futter der sogenannte Zungenkrebs unter dem Vieh an. Es bekam hinten auf der Zunge ein Loch, worin sich das Futter setzte. Man rieb es mit Salz und den 4 ten Teil klein gestossenem Pfeffer aus, und es heilte. Auch soll diese Krankheit vor 70 Jahren hier herum gewesen sein. Vor 4 Jahren war sie in Lüneburg. Wollte es böse werden, so mischte man gebrannten Alaun darüber. Es starb kein Vieh daran. Der Mai sehr hell, klar und trocken aber äusserst kalte Luft. OW (Ostwind) und medio April kam Regen und viel Schnee von W und NW.

1791 ausserordentlich gelinder Winter und es hatte ein so gutes Frühjahr, dass im April alles blühte und grün war. Alle Arten von Obstbäumen, der Schlehdorn blühte den 20 ten April und Ausgang April hatte der Hollunder schon grosse Knospen seiner Blüten. An verschiedenen Orten stand der Roggen in Ähren. Es kam ein ausserordentlich heisser Sommer und das beste Erntewetter. Auch alles gut geraten, weil im Julio noch viel Regen kam. Auch Obst genug. 1791 ging ein strenger Winter an den 1 ten November und dauerte in eins bis 1792 medio März, worauf täglich die fruchtbarste Witterung kam, alles kam heraus – Laub – Gras – Blumen. Die Birken hatten Blätter die Stachel und Johannisbeeren blühten, die Gartenerbsen handhoch gewachsen, der Spargel konnte gestochen werden. Aber, den 15 ten April, nach den schönsten Sommertagen kam Frost und von SO ein strenger harter Wind und nachmittags Regen – abends Schnee. Den 19 ten April erstaunlich Schneegestöber. Der Schnee kam hoch zu liegen und die Fenster froren zu. Den 20 ten April immerfort Schnee und grosse Kälte. Das Vieh war schon zu Felde gewesen – weil das Futter aufward und nun wurde diese Not noch grösser, da Schnee und Kälte kam. Den 22 ten April wieder Westwinde aber sehr harte Luft, den 23 ten April mit einmal wieder sehr warme Luft, der Schnee war meist weg und brachte kein sonderlich Wasser und war nichts erfroren. Die Schwalben und Bienen flogen wieder wie im Sommer. Den 10 ten auf 11 ten Dezember ein erstaunlicher Sturm, der zwar hier in Cammin Gottlob ! ausserdem dass er etliche Bäume umwarf, weiter keinen Schaden tat, anderer Orts aber Häuser umwarf und erstaunlichen Schaden anrichtete. Zu Roggendorf war er das Viehhaus ein und Vieh und Pferde wurden erschlagen. Zu Lützow und Pokrent an allen Gebäuden viel Schaden. Zu Hamburg war grosses Wasser gewesen, so dass Häuser auf den Dörfern mit fortgerissen. Den 19 ten Dezember wieder viel Sturm mit Regen noch heftiger als der vorige. Am Kirchendache hatte er an der Südseite Steine heruntergeworfen; fast alle Obstsbäume im Pfarrgarten, 11 Stück, lagen darnieder. Kein Dach unbeschädigt – das Hoftaubenhaus – und die Zäune darnieder. Es dauerte von früh 8 bis gegen 12 Uhr, dann schien die Sonne. Es war allenthalben erstaunlich Schade geschehen. Hier und da ganze Gebäude umgeworfen. Zu Schwechow warf er das Viehhaus um, wodurch an die 160 Hauptrindvieh erschlagen wurden. Desgleichen zu Roggendorf wo auch 2 Pferde mit erschlagen wurden. Zu Zarrentin wollte der junge Tischler Schmidt seine Sparren mit einer Furke stützen, der Wind stiess ihn heraus und die Furke spiesste ihn am Halse und er blieb auf der Stelle tot und solche Unglücksfälle geschahen mehrere. Die hiesige Pfarrscheune hatte er auch 1 Fuss in der Mitte nach Süden geschoben., so dass die Norderwand einbrechen wollte.

1793 den 24 ten und 26 ten Februar und den 3 ten März erst auch Sturm so dass allenthalben Obstbäume- Bäume in Wäldern- feste Gebäude umstürzten.

In meinem Kirchspiel bey all diesen vielen Stürmen nur 1 Gebäude und zwar den 3 ten März die Scheune zu Schwaren, oder Albertinhof. Den 3 ten März fing von ganz früh an und stürmte bis in die Nacht. Es war gerade jetzt die traurige Periode, da Frankreich die 1 te Revolution vergangen auch König Ludwig XVI ter abgesetzt, ihn mit seiner königlichen Familie in ein feste Turm als die zuerst Verbrecher eingekerkert, ihn im sogenannten nationalen Convent bei aller offensichtlichen Unschuld das Todesurteil gesprochen, und auf dem Schafott geköpft hatte. Dieses Frankreich, so sich nun eine freie Republik erklärte, kündigte alle Contracte Europas den Krieg an. Oestereich Kaiser Franz II stand mit seiner Armee von 120000 Mannam Rhein, der König von Preussen Wilhelm Friedrich II stand in Person ibidem mit 80000 – die Reichsarmee sollte 120000 bringen- Engelland und Holland kam zu Emden, in Spanien sind 60000 Mann. Alle Höfe in Europa trauerten um den geköpften König Ludwig XVI 4- 6 Wochen. Die Franzosen hatten Brabant und einen Theil von Holland eingenommen – zwangen die Leute ihrer weniger rechtmäßigen Obrigkeit abzuschwören und ihrer Constitution auf Freiheit und Gleichheit- zu schwören. Es sah sehr truarig aus !!

Aber mit Anfang März 1793 kam der Prinz von Coburg als Generalissimus aus Ungarn, wo er seit dem Türkenkriege gestanden und schlug die Franzosen den 17 ten, 18 ten und 19 ten März. Der französische Generalissimus ging mit seiner ganzen Armee

Karl-Heinz Schröder 1 Beim Stadthof 15, 23562 Lübeck

24.07.2008